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Der Ruf der Eifel

Ferrari Racing Days auf dem Nürburgring

4. - 6. Juli 1997 Nürburgring

Im Fahrerlager des Nürburgrings steht ein älterer Herr, der ein kleines zerbrochenes Metallteil in den Händen hält. Der ältere Herr ist David Piper, und der erklärt dem staunenden Betrachter, daß dieses Teil zur Wasserpumpe seines 330P2 gehört und gut und gerne 30 Jahre seinen Dienst verrichtet hat. Am 6. Juli 1997 brach es dann und legte den Kühlkreislauf des Prototypen aus dem Jahr 1965 lahm.

330 P2 s/n 0836

Ohne Kühlung steuerte David Piper natürlich sogleich die Boxen an, war somit raus aus dem dritten Lauf zur Shell Ferrari Historic Challenge.

Die Rennserie für alte und meist auch ehrwürdige Rennwagen aus Maranello gastierte am ersten Juli-Wochenende 1997 auf dem Nürburgring. Im Rahmen der von der Ferrari Deutschland GmbH organisierten Ferrari Racing Days fanden der dritte und vierte Wertungslauf von insgesamt acht im 50. Jubiläumsjahr von Ferrari statt.

Der Vorjahresveranstaltung konnte die zweite Auflage natürlich in keiner Weise das Wasser reichen. Schließlich gab es keine Modellpremiere und "König Schumi" war auch nicht da. Die Oldtimerfreunde unter den Ferrarifahrern zeigten sich davon allerdings unberührt und waren zahlreich erschienen.

Im Vergleich zum Saisonauftakt zwei Monate zuvor in Monza hatte sich am Starterfeld nichts Grundlegendes geändert.

Eine "zweite Nürburgringpremiere" erlebte der 312P (0888) von Engelbert Stieger aus der Schweiz. Der letzte Sportprototyp von Ferrari hatte 1973 auf dem Nürburgring unter Jacky Ickx und Brian Redman gewonnen und für den letzten von sieben Ferrari-Siegen bei den legendären ADAC-1000km gesorgt.

312 P s/n 0888

Engelbert Stiegers Sohn Christoph fuhr 24 Jahre nach diesem Erfolg den 312P und belegte in beiden Rennen den zweiten Platz hinter dem 512M (1018), an dessen Steuer sein Bruder Patrick saß.

512 M s/n 1018

Die Familie Stieger konnte nach dem Nürburgringwochenende also auf eine einhundertprozentige Erfolgsbilanz zurückblicken und ein paar weitere Pokale dem familieneigenen Museum zuführen, das rund 30 Autos aus Maranello in der Schweiz ein Zuhause gibt.

Genauso erfreut wie die Schweizer war auch Peter Hardman, denn der Vorjahresmeister übernahm erneut die Tabellenführung in der Ferrari Historic Challenge. Der Rennprofi, der im letzten Jahr noch in der amerikanischen Supertourenwagen-Meisterschaft unterwegs gewesen war, bewies seine Klasse und scheuchte den 330LM (4381SA) in einer Geschwindigkeit (130,108km/h) um den Kurs, die den Tempi der viel jüngeren Mittelmotor-Boliden 512 und 312 in (fast) nichts nachstand.

330 LM s/n 4381SA

Die Gelegenheit, quasi vor der eigenen Haustür an den Start zu gehen, nahmen auch am Nürburgring wieder einige Fahrer wahr, die den Weg zu anderen Rennen der Historic Challenge eher nicht in Angriff nehmen: Der mehrfache 348/355 Challenge Meister Bernd Hahne aus Krefeld startete mit seinem 166MM/53 (0264M).

166 MM/53  s/n 0264M & 250 MM s/n 0298MM

Der kleine Zwölfzylinder kommt als Touring Barchetta daher, doch auf den zweiten Blick kommen die Linien des Autos den geschulten Auge etwas anders vor. Des Rätsels Lösung: Der offene 2-Liter hatte sein Leben als Ferrari-Werksspider mit einer in Maranello gebauten Karosserie begonnen. Im Zuge eine Restauration in den siebziger Jahren wurde dieser nur noch fragmentarisch erhaltene Aufbau gegen einen Replica-Body im Touring-Design ersetzt. Das Ganze geschah im Auftrag des renommierten Sammlers Pierre Bardinon, und kein geringerer als Fantuzzi sorgte für das neue Bodywork.

250 MM s/n 0298MM

Ein weiterer "deutscher" Ferrari war der 250MM Pinin Farina (0298MM) aus dem Besitz Hartmut Ibings. Die hier von Udo Rüttcher gefahrene Berlinetta mit der legendären Zahl "250" im Namen befindet sich im Originalzustand, der weit mehr Ausstrahlung besitzt als die meisten seiner perfekt restaurierten Brüder und Schwerstern.

Auch wenn in den neunziger Jahren immer wieder Straßen-Ferrari in Schwarz geordert werden, ist diese Farbe für eine historische Rennberlinetta eher die Ausnahme. So wundert es nicht, daß Hermann Wildenburgs 250GT TdF (0971GT) erst in jüngster Zeit seinen schwarzen Anstrich bekam. Der Wagen aus dem Jahr 1958 diente in seiner Jugend der Ecurie Francorchamps und kann auf einen 9. Gesamtplatz beim 1000-Kilometer-Rennen von Paris zurückblicken, wo er von André Pilette und Jojo Berger gefahren worden war.

250 GT TdF s/n 0971GT

Ein Teilnehmer aus Deutschland, den man bisher fast überall angetroffen hatte, fehlte allerdings in der Eifel: Es war Walter Schäfer, dessen 500TR V12 s/n 0636MDTR ihm wenige Wochen zuvor während der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum in Maranello vom Hotelparkplatz gestohlen waren war.

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