Events  Report - Tour de France

56. Tour de France Auto, 23. - 26. April 1997

Französische Zweiklassengesellschaft

Alle Welt redet von der Mille Miglia. Dabei gerät nur allzuleicht ins Hintertreffen, daß auch unser westliches Nachbarland eine mindestens ebenso faszinierende Veranstaltung hat: Die Tour de France Auto, die sich in wenigen Jahren zu einer faszinierenden Rennveranstaltung für historische Fahrzeuge entwickelt hat.

250 GTO's330LM s/n 4381SA275 GTB's

Insgesamt ging die Tour schon in ihre 56. Runde. Zuletzt wurde sie im Jahre 1986 als aktuelle Veranstaltung gefahren. Einige Jahre nach dem traurigen Ende der Traditionsveranstaltung war es dann Patrick Peter (einst das P aus der BPR-Organisation und Miterfinder der GT-Weltmeisterschaft) aus Paris gewesen, der die Neuauflage organisierte. Die Teilnahmebedingungen sind ganz ähnlich denen der Mille Miglia: Die Autos selbst, oder ein identischer Typ, müssen zwischen 1951 und 1973 schon einmal bei der Tour de France dabei gewesen sein. Ausnahmeregelungen gab es auch in diesem Jahr wieder für einige neuere Fahrzeuge, die selbst (nicht nur der gleiche Typ) bei einer der späteren Ausgaben an den Start gegangen waren.

Die beiden ältesten Ferrari, die sich am 22. April zu Füßen des Eiffel-Turms zur technischen Abnahme einfanden, waren der 212 Inter s/n 0141T des Italieners Federico Dubbini und ein weiterer 212 Inter s/n 0255EU von Vater und Sohn Ribadeneiria aus den USA.

212 Tuboscocca Touring Berlinetta s/n 0141T212 Inter Vignale Cabriolet s/n 0255EU

Während das Vignale-Cabrio der Amerikaner das Ziel am Sonntag im Seebad Biarritz erreichte, blieb die Touring Berlinetta Dubbinis auf der Strecke.

212 Inter Vignale Cabriolet s/n 0255EU

Der Grund dafür, daß nicht die beiden Inter als erste Ferrari über die Startrampe rollten, sondern der wesentlich jüngere 250LM (S/N 5903) von Brandon Wang, war der, daß es in der Tour de France eine Zweiklassengesellschaft gibt: Der erste Teil der über 200 Wagen startet in der Rennklasse (in diesem Jahr 49), der zweite fährt auf Gleichmäßigkeit. An Ferrari-Fahrzeugen stach aus der ersten Gruppe neben dem erwähnten 250LM ein 275GTB/C hervor, denn der Wagen (S/N 6701, ebenfalls aus dem Besitz Brandon Wangs) wurde von Phil Hill, Formel 1-Weltmeister 1961, und dessen Sohn Derek gefahren. Der Junior übt sich seit ein paar Jahren selbst im Motorsport, fährt einen Markenpokal in den USA und hat als nächstes Ziel die Indy-Lights vor Augen.

250 LM s/n 5903

Um auch ein paar europäische Rennstrecken kennenzulernen, kam Hill jr. die Tour gerade recht. Und gerade bei den Rennstrecken liegt der größte Unterschied zur Mille Miglia. An jedem der vier TdF-Tage steht wie schon früher eine Rennstrecke auf dem Plan, auf der entweder ein richtiges Rennen oder eine ausgiebige Gleichmäßigkeitsprüfung gefahren wird.

Am ersten Tag war es Monthléry vor den Toren von Paris, der wunderbar anachronistische Kurs mit seiner Steilwandkurve, von dem schon in den sechziger Jahren behauptet wurde, er würde von Jahr zu Jahr schlechter.

365 GTB/4 Daytona Competizione s/n 16717

Die größte Gruppe innerhalb der 39 Fahrzeuge umfassenden Ferrari-Meute, die die Tour Auto 97 in Angriff nahmen, waren die 250GT. Nicht weniger als 22 3-Liter-Berlinetten waren vertreten, vom 250 Europa GT aus 1954, über den 250GT LWB mit dem bezeichnenden Beinamen Tour de France, den 250GT SWB, den GTO bis hin zum weniger wettbewerbstauglichen 250GT Lusso.

250 Europa GT s/n 0373GT250 GT TdF s/n 0899GT250 GT SWB s/n 2011GT
250 GTO s/n 3705GT

Ein ganz besonderes Schmuckstück hatte Paul Vestey aus England mitgebracht: den 250GT mit der Fahrgestellnummer 0677GT, eine Berlinetta von Scaglietti aus dem Jahr 1957, in Fachkreisen auch "Fourteen-Louver" genannt (wegen seiner 14 Entlüftungschlitze in der C-Säule). Mit dem Auto gewann der Belgier Olivier Gendebien 1957 die Tour de France, sicherte der Marke damit den zweiten von neun aufeinanderfolgenden Siegen bei der damals prestigeträchtigen Veranstaltung.

Der gelbe Mittelstreifen über der Karosserie, bei der Restaurierung liebevoll nachgezogen, kennzeichnete damals den Führenden im Gesamtklassement, ganz so, wie heute das gelbe Tricot beim gleichnamigen Radrennen.

Dieser Wagen paßte (wie die meisten anderen) natürlich viel besser in die historische Kulisse von Monthléry als in die des Circuit Val de Vienne, einem neu angelegten Kurs, der Höhepunkt der Tagesetappe von Poitiers nach Bordeaux.

Bei der Sonderprüfung des zweiten Tages wäre für die Hills das Rennen beinahme zu Ende gewesen, denn Derek verbremste sich auf einem, auf Bestzeit zu befahrendem Landstraßenstück und versenkte den 275GTB/C im Straßengraben. Mit etwas Arbeit, guten Worten und noch mehr Klebeband konnten die Californier aber dennoch die Tour beenden.

275 GTB/C Speciale s/n 6701

Tatsächlich zu Ende war die Fahrt am dritten Tag für den echten Competizione der beiden Daytonas: Das Auto (S/N 14885) ließ seine österreichisch-deutsche Besatzung im Stich. Schon kurz nach dem Start hatte man festgestellt, daß ein wenig Wasser im Öl gewesen war, doch auch ein zweimaliger Ölwechsel in kleinen Werkstätten entlang der Strecke konnte das Problem aufschieben, und so stellte man den Zwölfzylinder vorbeugend ab, denn als das Öl weiß aufschäumte war die ausreichende Schmierung nicht mehr sicherstellen. Grund: beim bei DK Engineering revidierten Motor war der O-Ring der Wasserpumpe war gebrochen.

365 GTB/4 Daytona Competizione Series 1 s/n 14885365 GTB/4 Daytona Competizione Series 1 s/n 14885

365 GTB/4 Daytona Competizione Series 1 s/n 14885365 GTB/4 Daytona Competizione Series 1 s/n 14885

Am vierten Tag, an dem im mittelalterlichen Carcassonne gestartet worden war, kam während des Rennens in Nogaro das Aus (Getriebeschaden) für den 250LM mit Wang/ Pearson, der bis dahin mit Sportwagenlegende Henri Pescarolo um die Führung gestritten hatte. So kam der bärtige Franzose, der in diesem Jahr zum 31. Mal in Le Mans an den Start ging, zum Gesamtsieg am Steuer einer offenen Cobra des Team ATS.

Der erste Ferrari im Ziel war die 250GT Berlinetta mit kurzem Radstand von Jean Sage s/n 2165GT. Der Organisator der Shell Ferrari Historic Challenge steuerte den Grandtourismo auf den 13. Platz.

250 GT SWB s/n 2165GT

In der Gleichmäßigkeitsklasse ging der Sieg an einen Triumpf, als Beste am Steuer eines Ferrari klassierten sich die Briten Taylor und Harnett mit einem Lusso s/n 5031 auf dem fünften Platz.

250 GTO s/n 3705GT

Vater und Sohn Entremont aus Paris wurden mit ihrem 308 Michelotto s/n 31135, der von der Sonderregelung für ehemalige TdF Teilnehmer der Siebziger und Achtziger profitiert hatte, waren beim Zieleinlauf am Sonntagabend auf der Strandpromenade in Biarritz Achte.

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