Events Report - Grand Prix de Monaco Historique

Auf Wunsch seiner Hoheit

Monaco, 3. und 4. Mai 1997

Es gibt Gelegenheiten, die bieten sich nur einmal im Leben. Dazu gehört ganz sicher auch die, auf dem Grand Prix-Kurs im Fürstentum Monaco ein Autorennen zu fahren. Daß man dazu in diesem Jahr nicht unbedingt Inhaber einer A-Lizens der FIA, einer der besten Formel 3-Piloten oder Teilnehmer am Porsche Supercup sein mußte, war auf den besonderen Wunsch des regierenden Fürsten, Rainier III, zurückzuführen. Die Familie Grimaldi konnte 1997 nämlich auf die 700-jährige Herrschaft über ihr kleines Reich zurückblicken, und weil im Rahmen der Feierlichkeiten an so ziemlich jede Art monegassischer Geschichte erinnert werden sollte, bat der Fürst den Automobile Club de Monaco um die Ausrichtung eines Oldtimer Grand Prix.

166 Formula Libre s/n 011F

Der Run, der bald nach Bekanntwerden des Rennens auf die zur Verfügung stehenden Startplätze einsetzte, war selbstverständlich überwältigend, denn fast niemand, der ein startberechtigtes Auto aus den Jahren 1927 bis 1967 besaß, wollte sich die Gelegenheit, im wahrsten Sinne auf den Spuren von Chiron, Fangio und Graham Hill zu wandeln, entgehen lassen. Viele verzichteten sogar ohne Überlegung auf die Teilnahme an der am gleichen Wochenende ausgetragenen Mille Miglia.

Scaglietti SpiderGrid750 Monza s/n 0520M & 375MM s/n 0376AM

Wegen des großen Zulaufs mußte vielen Bewerbern abgesagt werden, so daß am Ende nur die Crème de la Crème der historischen Grand Prix-Wagen an den Start ging, unterstützt u.a. von einer Gruppe Rennsportwagen bis Baujahr 1960. Diese sollten den Bezug zum monegassischen Grand Prix von 1952 herstellen, der damals als Sportwagerennen ausgetragen worden war, und aus dem Vittorio Marzotto mit einem Ferrari 225 (S/N 0154ED) als Sieger hervorgegangen war. Auch wenn das Siegerauto von einst nicht am Start erschien (es wurde nur wenige Meter entfernt von Brooks versteigert), war ein Ferrari mit von der Partie: P. Paul Pappalardo scheute sich nicht, den 250TR 59 (S/N 0774TR), mit dem Paul Frère (der als Zuschauer in Monaco weilte) und Olivier Gendebien 1960 Le Mans gewonnen hatten, entlang der Leitplanken zu balancieren.

250 TR 59 s/n 0774TR

Ferraris mit einem direkten Bezug zu Monaco gingen verständlicherweise in den Rennen für Grand Prix-Wagen der verschiedenen Baujahre an den Start: Auch wenn Ferrari hier nie sonderlich erfolgreich war, nahmen die Autos des Commendatore an so gut wie jedem Monaco Grand Prix nach dem Krieg teil. Insgesamt gingen bis dato vier Siege aufs Konto der Roten, davon nur einer vor 1968.

Nicht weniger als sechs Formel 1-Ferrari drehten ihre Runden, auch wenn nicht alle immer in jedem Training und Rennen an den Start gingen. Für den von Ludovic Lindsey gefahrenen 375 F1 mit der Fahrgestellnummer 2 aus 1951 war die Fahrt schon im ersten Training vorbei, denn während des Anbremsens der Loews-Kurve wähnte sich der Fahrer wohl in seinem Alltagsauto, denn er vergaß das mittig plazierte Gaspedal. Glücklicherweise trug der wertvolle Wagen, der einst von Ascari und Gonzales bewegt worden war, keine größeren Blessuren davon, und auch Lindsey kam mit dem Schrecken davon.

375 Formel 1Dino246.Formel 1.Monaco.02Dino246.Formel 1.Monaco.01312 Formula 1 s/n 0003

In der Gruppe für Grand Prix-Wagen von 1934 bis 1952 fuhr auch Restorer Tony Merrick mit einem von ihm neu aufgebauten 166FL (S/N 011F), der früher der Argentinischen Nationalmannschaft von Peron als Arbeitsgerät für Fangio und Gonzales gedient hatte.

Im Vor-1960-Rennen, daß von den Cooper mit Mittelmotor beherrscht worden war, fuhr Merrick einem weiteren Ferrari, den 555 Supersqualo (S/N FL/9001), bei dem es sich um das Auto handeln soll, mit dem Paul Frère 1955 in Spa Vierter wurde. Aber Frère selbst will sein altes Arbeitsgerät in diesem Auto nicht so recht wiedererkennen, denn zwischenzeitlich war der Formel 1 mit der Karosserie eines Morris Minors (!) bestückt gewesen und hatte "Down Under" die Tourenwagenszene aufgemischt.

Der Grund dafür, daß viele Formel 1-Ferrari nicht mehr so ganz original daherkommen, liegt zum Teil auch an Enzo Ferraris Art, ausgediente Renner oftmals zu verschrotten, anstatt sie Privatiers zu überlassen. So waren auch die beiden in Monaco vertretenen Dinos (S/N 0003 und 0011) der Jahre 1959/60 nicht zu 100% das, was sie vorgaben zu sein, denn beide wurden um einige verbliebene Teile herum neu gebaut.

Original war dagegen der 312 von 1967 (S/N 0003), der damals an gleicher Stelle von Chris Amon auf den dritten Platz gefahren worden war. Dreißig Jahre später hatte Franco Meiners am Steuer weniger Glück, denn wegen eines Defekts schied er schon in der ersten Rennrunde aus.

312 Formula 1 s/n 0003

Das einzige Rennen, in dem ein Ferrari echte Siegeschancen hatte, war (abgesehen vom ein Woche später stattfinden Grand Prix) ein ausschließlich für die maranelleser Autos reservierter Lauf. Jean Sage, der für das Werk die Challenge Storico Ferrari Shell organisiert, war auch am historischen Monaco Grand Prix beteiligt und hatte einen eigenen Lauf für Ferrari Sportwagen organisiert.

Daß sich das Starterfeld von 26 Autos nur zu einem kleinen Teil mit den Stammgästen der regulären Challenge überschnitt, lag daran, daß hier in Monaco nur trommelgebremste Autos bis Baujahr 1958 zugelassen waren.

Pirro.0376AM.Monaco.01

Das Rennen wurde dominiert vom Duell zwischen dem späteren Sieger Frank Sytner im Ferrari 250TR (S/N 0752TR) und Emanuele Pirro im 375MM (S/N 0376MM). Die beiden Tourenwagenmeister (Sytner war 1988 BTCC-Champion auf BMW M3, Pirro 1994 und 1995 italienischer sowie 1996 deutscher Meister auf Audi) bekämpften sich in der Anfangsphase hart, doch nachdem Pirro Sytner den Berg hinauf zum Casino überholt hatte, es der Engländer vorzog sein (Lord Bamfords) TR zu verschrotten, fragte sich der Italiener, warum er bei einem Oldtimerrennen, bei dem es nur um den Spaß an der Sache geht, etwas riskieren sollte, und verlangsamte etwas. Nachdem er gegen Ende auch noch ein Problem mit dem rechten Hinterreifen bekommen hatte, entschied er sich, vorsichtig zu fahren und den Wagen auf Platz vier sicher ins Ziel zu bringen. Auch wenn dies einen Rennprofi wie Emanuele Pirro nicht befriedigen kann, war er immerhin noch zwei Plätze besser als bei seinem letzten Formel 1-Auftritt in Monaco 1991, wo er mit einem Dallara Sechster geworden war.

375MM.0376AM.Monaco.01

Aus Ferraris Frühzeit waren zwei Autos im Startfeld vertreten, die durch ihre ungewöhnlichen Karosserien die Aufmerksamkeit des geschulten Zuschauers auf sich zogen:

Der eine war ein 212 Export (S/N 0094E), den die Carrozzeria Motto als Einzelanfertigung für den italienischen Privatfahrer Paolo Scotti eingekleidet hatte. Dessen größter internationaler Erfolg mit dem kleinen Spider war der dritte Platz bei er Mille Miglia 1951.

212export.0094E.Monaco.01

Auch beim der zweiten augenfälligen Einzelstück handelt es sich um einen Spider auf Basis eines 212 Export: Den Wagen (S/N 0102E) hatte Vignale für den Spielfilm "The Racers" mit Kirk Douglas so eingekleidet, daß er keinem anderen Auto der damaligen Zeit ähnlich sah. Der Grund dafür war, daß der kleine Ferrari im Film als Produkt der Phantasie-Marke Burano ausgegeben wurde, deren Werksfahrer Kirk Douglas auf der Leinwand war.

212export.0102E.Monaco.01

So einmalig wie diese beiden Autos dürfte der Grand Prix de Monaco Historique nicht gewesen sein, auch wenn es zu Beginn so aussah: Nach der von strahlendem Sonnenschein begleiteten Veranstaltung gibt es bereits Pläne für eine zweite Auflage. Dies wird bestimmt nicht im nächsten Jahr sein, aber bereits 1999 fände sich wieder ein adäquater Anlaß, nämlich das 70-jährige Grand Prix-Jubiläum. Schließlich fand das erste Rennen in Monaco 1929 statt.

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