Events Report - Coys International - Ferri Shell Historical Challenge

Farbwechsel
Das Coys Festival in Silverstone sah 1997
Rosso Corsa statt British Racing Green

Zurück an den Ort des ersten Triumpfes
Von Gonzales bis Scheckter
Fast schon zu viele Ferraris
Von Mittelmotor-Boliden und Frontmotor-Prototypen
Sieg für Ferrari
Von Club-Treffen und Andenken

Silverstone und Ferrari - eine einzigartige Verbindung, denn das erfolgreichste Formel 1-Team aller Zeiten kam auf dem mittelenglischen Flugplatzkurs 1951 zu seinem ersten Grand-Prix-Erfolg.

46 Jahre später, im Jahr des 50. Firmenjubiläums, wurde diesem denkwürdigen Ereignis im Rahmen des International Coys Festival gedacht, was zur Folge hatte, daß die größte Klassiker-Rennveranstaltung auf der Insel (fast) zu einem einzigen Ferrari-Event wurde.

Selbst das Ferrari-Werk hatte sich nicht gescheut, seine Historic Challenge nach Silverstone zu entsenden. Doch davon später.

Der Höhepunkt des Rahmenprogramms, wenn nicht gar der ganzen Veranstaltung, waren die Demorunden ehemaliger Ferrari-Stars, allen voran natürlich der Sieger von 1951: José Froilan Gonzales. Der 74jährige Argentinier, dem sein Alter nur schwerlich anzusehen ist, bewegte einen 375 Indycar  um den Kurs. Das Auto war 1952 für das bisher einzige Indy 500-Intermezzo der Italiener entstanden und basierte auf dem F1-Wagens von 1951, dem Auto also, mit dem Gonzales den ersten Sieg der Roten geholt hatte.

 José Froilan Gonzales 375 Indy s/n 004

Neben Gonzales waren drei der vier noch lebenden Ferrari-Weltmeister vor Ort: Phil Hill, John Surtees und Jody Scheckter. Niki Lauda weilte zur gleichen Zeit in Hockenheim wegen des deutschen GP. Scheckter steuerte seinen eigenen 312T4 (040), mit dem er einst in Monaco gewonnen hatte, und der danach in den Besitz des Mannes aus Südafrika gegangen war.

John Surtees, World Champion 1964Phil Hill, World Champion 1961Jody Scheckter, World Champion 1979
312 T4 s/n 040

Die Engländer Tony Brooks (Vize-Weltmeister 1959), Cliff Allison (Werksfahrer 1959 und 1960), Stirling Moss (TT-Sieger 1960/61 im 250GT) und Roy Salvadori (erfolgreich im 250GTO) saßen am Steuer ihrer alten Arbeitsgeräte, und der querschnittsgelähmte Clay Regazzoni fuhr seinen nach seinen Anweisungen umgebauten Straßen-Daytona.

BrooksDino 246 Tasman s/n 0788
250 GT SWB 2119GTClay Regazzoni

Bei soviel menschlicher Prominenz durften die Autos natürlich nicht hinten anstehen: Was sich in Silverstone versammelt hatte, wird so schnell nicht wieder an einem Ort beisammen sein. Ob Grand Prix-Wagen oder Prototyp, GT oder Rennsportwagen; allein 14 250GTO sprechen Bände.

Insgesamt waren drei exklusive Ferrari-Rennen ausgeschrieben: Neben der Shell Ferrari Historic Challenge gab es einen Lauf für GT-Wagen mit dem klassischen 3-Liter V12 und außerdem die in England sehr populäre Goodyear Maranello Ferrari Challenge. In der tummeln sich verschiedene Modelle, vom bis zur Unkenntlichkeit verspoilerten 308GT/4 bis hin zum modernen 355 Challenge. Methusalem der Serie ist ein angeblich über 400 PS starker 250GT SWB.

Das GT-Rennen ist traditionsgemäß einer der Höhepunkte des 1997 zum 6. Mal ausgetragenen Coys Festivals. Deshalb ist es fraglich, ob die in diesem Jahr herrschende Ferrari-Monotonie allen Rennbesuchern behagt hat, denn die gewohnten Duelle Ferrari contra Aston-Martin und Jaguar blieben aus. Dafür kamen die Ferraristi voll auf ihre Kosten: zehn 250GTO, dazu 250GT SWB, Tour de France, Lusso und Boano.

Es siegte der britische BMW-Händler und ehemalige BTCC-Meister Frank Sytner auf dem 250GTO 64 s/n 4399GT aus dem Besitz des Baggerproduzenten Sir Anthony Bamford (JCB). Zweiter wurde Pink-Floyd-Drummer Nick Mason mit seinem GTO im 1962er Kleid s/n 3757GT. Der Wagen des Musikers hatte einst in Diensten der belgischen Ecurie Francorchamps gestanden und war von Beurlys und Eldé auf den 3. Platz der 24 h von Le Mans 1963 gefahren worden.

250 GTO s/n 3757GT

Sytners GTO ist einer der später im Stil der GTO 64 rekarosserierten Wagen. Ursprünglich war er von Col. Ronnie Hoare und Maranello Concessionnaires eingesetzt worden - mit Fahrern wie Graham Hill, Mike Parkes und Innes Ireland .

Einen echten Filmstar brachte ein britischer Restaurator ins Rennen, nämlich den 1956er "Tour de France" s/n 0585GT, der eine Rolle im Walt Disney-Film "The Love Bug" ("Herbie - Ein toller Käfer") gespielt hatte. Fans des Kult-Films aus den 60er Jahren werden sich erinnern: Der Käfer spritzte eine Ladung Irish-Coffee auf die Motorhaube des Ferrari, der ihn -als einziger- geschlagen hatte.

250 GT Tour de France s/n 0585GT

Die Historic Challenge unter der Leitung von Jean Sage sah ein Starterfeld von über 40 Teilnehmern, das sich teils aus Stammgästen, teils aus Neulingen, zusammensetzte.
Die Stieger-Brüder siegten in den beiden Läufen abwechselnd im 512M (1018) und 312P (0888). David Piper wurde im 330P2 (0836) einmal Dritter und Peter Hardman am Steuer des 330LM (4381SA) baute mit einem 3. und einem 4. Platz seine Führung in der Meisterschaftswertung noch weiter aus. Soweit bot sich das gewohnte Bild.

512M s/n 1018 312P s/n 0888330P2 s/n 0836 330 LM s/n 4381SA

Aber es gab auch Abwechslung: Der Londoner Oldtimerhändler Gregor Fisken hatte das Vergnügen, Ferraris ersten V8, den 268SP (0798) bei seinem wohl einzigen Auftritt in der Challenge zu bewegen. Auch die GTO von Nick Mason (3757GT), Hartmut Ibing (3809GT) und Tony Wang (3769GT und 4713GT, gefahren von Louis Seelyei) tauchten zum ersten und vermutlich einzigen Mal im Rahmen der Historic Challenge auf.

Dino 268 SP s/n 0798250 GTO s/n 3769GT250 GTO s/n 4713GT

Der beste Motorsport wurde freilich in den Rennen geboten, die markenübergreifend waren. Umso erfreulicher war deshalb anzusehen, daß im Rennen für GP-Wagen bis 1960 ein Ferrari zuerst die schwarz-weiß karierte Flagge sah. Nigel Corner gewann mit dem Dino 246 Tasman (0788), nachdem er bereits die schnellste Trainingszeit gefahren hatte. Strenggenommen handelt es sich bei dem Monoposto gar nicht um einen Formel 1, denn der ursprüngliche Dino  V6 war später  mit einem V12 ausgerüstet worden, um in der australischen Tasman-Serie zu starten.

246 F1 s/n 0788FT

Als er noch ein F1 war und die Fahrgestellnummer 0007 trug, markierte der Wagen übrigens einen Meilenstein in der Grand Prix-Historie: Mit exakt diesem Gefährt gewann Phil Hill 1960 den Großen Preis von Italien und feierte den letzten Sieg eines Frontmotor-Renners im Grand Prix-Zirkus.

Bei den beiden anderen Dino 246, die im gleichen Rennen am Start waren, handelte es sich um Rekonstruktionen, die von einem originalen Motor angetrieben werden. Um über jeden Zweifel erhaben zu sein, tragen die Autos ein R für Replika hinter den Fahrgestellnummern (0004R von Tony Merrick und 0003R von Robin Lodge).

Dino 246 s/n 0004R Dino 246 s/n 0003R

Wer von den Rennen und der Fahrerpräsentation noch nicht genug hatte, der konnte sich auch auf dem riesigen Areal des Ferrari Owners Club umsehen und Autos vom 250GTO bis zum F50 begutachten. Und wer sich ein Souvenir mit nach Hause nehmen wollte, dem bot sich am Samstagabend bei der Coys-Auktion Gelegenheit, egal ob einem der Sinn eher nach einem 400i oder einem  (falschen) 250LM gestanden hat. Demjenigen, der das gänzlich Extravagante suchte, war das Comossi-Rennboot mit 375F1-Motor wärmstens empfohlen.

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