Events Tutte le Ferrari in Sicilia

Grande Festa Siciliana

Abschluß der Feierlichkeiten zum 50. Ferrari-Jubiläum
vom 7. – 8.11.1997 in Enna-Pergusa

Die Tage vor dem London-Urteil
Traditionsreicher Rundkurs
Aus für Peter Hardman und Gary Pearson Meister
Historische Serie erfreut sich grosser Beliebtheit - wieder neue Teilnehmer
Michael n‘ Eddie in action
Regenschauer
Nino, Nino !

Am Wochenende vor jenem denkwürdigen Termin in London, an dem Michael Schumacher sein Vize-WM-Titel aberkannt bekam, hatte Ferrari an einen recht ungewöhnlichen Ort geladen:

Enna auf Sizilien.

Irvine & Schumacher

Hier wurden die Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum der Marke beendet, schließlich sollten auch die Italiener südlich des Stiefels einmal etwas vom Nationalheiligtum Ferrari abbekommen.

Man hatte kurzerhand das traditionelle Saisonfinale der weltweit agierenden F355 Challenges von der hauseigenen Strecke Mugello auf das nicht minder schön gelegene Autodromo di Pergusa verlegt.

Die 1961 eröffnete Rennstrecke versprüht noch immer den Charme der frühen Jahre, hat aber trotzdem den Anschluß nicht verloren: Ein Lauf zur Formel 3000-EM spricht für sich.

Wie bei vielleicht keinem anderen Rundkurs wird in Enna-Pergusa die Streckenführung von der Natur bestimmt, denn im Innern des Autodromo liegt der Lago di Pergusa, aus dessen Uferstraße man einst eine Rennstrecke machte.

Mittlerweile wird die 4,2 km lange Strecke von drei Schikanen unterbrochen, doch trotz dieser Entschärfungen sind hohe Rundenschnitte möglich, wie die Qualifying-Zeiten der Mittelmotorsportwagen aus der Historic Challenge zeigen. Patrick Stieger umrundete den See in 2:09,873, was 157,099 km/h entspricht.

 512M s/n 1018

Auch der von Jean Sage gemanagte Markenpokal mit seiner unerreichten Modellvielfalt hatte, auf Sizilien seinen Saisonabschluß. Und auch hier galt es, den Meister zu krönen, obwohl sich die meisten der Teilnehmer für diese Wertung nicht besonders interessieren. Im Mittelpunkt steht hier, die historischen Renngeräte ihrer Bestimmung entsprechend wieder einmal schnell zu bewegen.

Um die Statistik deshalb gleich vorweg zu nehmen: Meister wurde Gary Pearson auf dem 250 Testa Rossa aus dem Besitz von Brandon Wang (0718TR).

Alfa.8C.35.21

Pearson nahm dem letztjährigen Meister Peter Hardman im ersten der zwei sizilianischen Läufe die Führung ab, denn Rennprofi Hardman, der von der Formel 3 und den Supertourenwagen zum historischen Rennsport gekommen war, mußte tatenlos zusehen: In der zweiten Runde hatte er dem Vierliter-V12 des mächtigen 330LM (4381SA) das Leben ausgehaucht. Mit einer furchteinflössenden Rauchfahne verabschiedete sich der Motor, der dem Betreuer des Wagens "Tim Samways" den Winter über einiges an Arbeit bereiten wird.

330 LM s/n 4381SAHardman.029

Während Pearson und Hardman zu den Stammteilnehmern der Historic Challenge gehören, waren in Enna erneut einige Neulinge dabei:

Spektakulär vor allem der 857S (0588M) aus dem Besitz des Franzosen Jean-Claude Bajol. Das Auto mit seinem ungewöhnlichen Heckflügel wurde von Willy Green gefahren, der in England zum harten Kern der historischen Rennszene gehört.

857S.0588M.047

Der Brite konnte mit dem ehemaligen Vierzylinder (jetzt ist ein V12 eingebaut) zwar nicht schnell unterwegs sein, aber das ehemals zum Rennstall von John Edgar gehörende Auto war dafür umso schöner anzusehen.

Auch neu dabei waren drei Tour de France: 1335GT von Giorgio Schön, dem Mailänder Ferrari-Vertreter, sowie 1385GT aus der Schweiz (Carlo Voegele) und 0909GT aus Deutschland (Nicolaus Springer).

250 GT TdF s/n 1401GT and s/n 1335GT 250 GT TdF s/n 1385GT250 GT TdF s/n 0909GT

Organisator Jean Sage hätte gerne seinen 375MM (0358AM) eingeweiht, dessen Restauration erst vor wenigen Monaten beendet worden war. Doch ein defekter Ölfilter verhinderte den Renneinsatz.

Auch der 250GTO (3387GT) des Canadiers Bernie Carl bewegte sich an diesem Wochenende nicht. Deshalb konnte man getrost ein Teil der Vorderachse ausbauen und in Paul Pappalardos GTO (5111GT) implantieren, der sonst ebenfalls im Fahrerlager hätte verbleiben müssen. Wer kann sich schon den Luxus eines 250GTO als Ersatzteilspender leisten?

250GTO s/n 3387GT

Zum ersten Mal wurde die Shell Ferrari Historic Challenge in zwei verschiedenen Rennen gestartet, getrennt nach Trommel- und Scheibenbremsen. Die Zuschauer bekamen also vier Rennen zu sehen, die auf Rang zwei der Beliebtheitsskala rangierten. Publikumsfavorit waren natürlich die Demorunden des damaligen Vizeweltmeisters Michael Schumacher und von Eddie Irvine. Die beiden legten sich schön ins Zeug, und es sollte doch wundern, wenn die Pole-Zeit von Formel 3000-Sieger Jamie Davies, 1:32,846, hier nicht (inoffiziell) gefallen ist. Am Ende nebelten Michael und Eddie die Start-und-Ziel-Gerade vor der vollbesetzten Haupttribüne mit ihren F310B ein. Die 120.000 Zuschauer zollten dem Rauch heißen Gummis tosenden Applaus.

Eddie Irvine spectatorsMichael Schumacher

Zurück zur Historic Challenge:

Der erste Lauf der freni a tamburo wurde von Matt Grist im Alfa C35 gewonnen, einem von der Scuderia Ferrari eingesetzten Grand Prix-Boliden aus der Zeit der 750-kg-Formel.
Alfa 8C35 s/n 50014

Weil kurz vor dem Start ein Regenguß auf die Strecke rund um den Lago niedergegangen war, waren die leichten Alfa GP-Wagen vorn mit von der Partie, oder besser gesagt, konnten ihnen nur die 250TR Paroli bieten, voran natürlich Gary Pearson.

Alfa.8C.35.21250 TR s/n 0738TR

Aber auch Carlos Monteverde, der in den letzten Monaten und Jahren eine der beeindruckendsten Rennwagen-Sammlungen zusammengekauft hat, schlug sich in seinem Renndebüt (bisher ließ er fahren) tapfer und wurde in seinem gelb-grünen 250TR (0738TR) Dritter. Im zweiten Lauf am Sonntag wiederholte er dieses Ergebnis.

Wegen des sizilianischen Landregens verzichteten die Stieger-Brüder und Marc Caveng am Samstag auf den Start. Zwei 512M (1018 und 1050) und ein 312PB (0888) blieben im Trockenen zurück.

Die Schweizer überließen das Feld der freni a disco den alten Haudegen, oder besser gesagt dem Ferrari-Haudegen schlechthin - David Piper. Er erbte durch den Rückzug der 70er-Jahre-Boliden die Pole-Position und fuhr seinen guten alten P2 (0836) mal so zum Sieg. Zweiter wurde David Franklin im Daytona Competizione (15667) aus dem Besitz des bereits erwähnten Sammlers Carlos Monteverde.

330 P2 s/n 0836 365GTB/4 s/n 15667

Im Rennen der scheibengebremsten Ferrari war auch Jean Sage mit dabei. Erstmals seit dem Nürburgring 1996 fuhr er seinen 250GT mit kurzem Radstand (2165GT) in der Historic Challenge. Vor einem Jahr war das Auto von Xavier Entremont beschädigt worden. Diesmal erreichte das Ex-Auto von André Simon unbeschadet das Ziel.

250 GT SWB 2165GT

Am Sonntag endete allerdings ein Duell Sages mit Gerhard Schwing für den Deutschen wenig erfreulich: Seine silberne Berlinetta (1887GT) erlag einem kapitalen Motorschaden. - Die Rennstrecke von einst stellte auch Anforderungen von einst an Material. Noch nie zuvor waren soviel technische Defekte im Laufe eines der historischen Ferrari-Rennen aufgetreten.

Die Zieleinläufe am Sonntag sahen wie folgt aus: Gary Pearson vor Paolo Brigato und Carlos Mionteverde (alle 250TR)

250 Testa Rossa at the grid250 TR s/n 0758TR and s/n 0738TR

und Patrick Stieger vor Marc Caveng (beide 512M) und Christoph Stieger (312PB).

512M s/n 1050512M.1018.015312PB s/n 0888

Der Defektteufel erwischte am Sonntag auch David Piper, doch seine Zündungsprobleme waren nicht weiter tragisch und konnten den erfahrenen Mann nicht aus der Fassung bringen. Besonders nicht nach dem Sieg am Vortag und den Erlebnissen auf dem alten Targa Florio-Kurs.

Einen Teil der legendären Strecke, auf der bis in die 70er Jahre hinein Rennen zur Marken-WM gefahren worden waren, hatte man eigens aus Anlaß des Ferrari-Geburtstags in den Tagen vor dem Enna-Event wiederbelebt. Schließlich waren es damals besonders die Ferrari-Siege, die die sizilianischen Fans in Euphorie versetzten.

Aus dem Fahrerkader von einst tritt an dieser Stelle ein Mann ganz besonders hervor: Nino Vaccarella. Der Lehrer aus Palermo zählte vor über 30 Jahren zur Weltspitze der Sportwagenbändiger und gewann 1965 seine Targa auf einem Ferrari 330P2. Local hero Vaccarella durfte bei diesem Anlaß natürlich nicht fehlen und agierte bei der Targa Florio-Fahrt sogar Instruktor für die Teilnehmer.

Nino Vacarella

Daß das Gedächtnis der italienischen Motorsportfans besser ist als sein Ruf, bewiesen am Sonntag die Sprechchöre von der Haupttribüne. Ins "Schummy, Schummy" und "Luca, Luca" mischte sich auch mal ein "Nino, Nino!"

Ferraris President Luca di Montezemolo

Bleibt zu hoffen, daß man in Maranello die Tage von Enna-Pergusa ebensowenig vergißt, wie die Sizilianer ihren alten Helden und man sich nicht erst zum 75. Jubiläum der Marke am Ende Europas wiedersieht.

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